Ohrakupunktur in den Zeiten von Corona

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Beachten Sie bitte unbedingt den wichtigen Hinweis – und beurteilen Sie den Artikel zu den Möglichkeiten der Ohrakupunktur in Zeiten von Corona nicht, bevor Sie nicht bis zu Ende gelesen haben. Er stellt eine vorläufige Einschätzung nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge (24.3.2020) dar. Es ist meine Einschätzung, welche Möglichkeiten wir mit dieser Therapiemethode haben, und er richtet sich in an praktizierende Akupunkteure.

Akupunkturbehandlungen sollten z.Zt. mit Maske erfolgen.

Kann Akupunktur / Ohrakupunktur bei einer Infektion mit Corona/Covid 19 helfen?

Auf den ersten Blick denkt man, was für eine verwegene und vermessene Frage. Doch ich stellte mir die Frage ganz ernsthaft – und bin beim Schreiben und Recherchieren zu auch für mich auf den ersten Blick unerwarteten Erkenntnissen gekommen.

Eines vorweg: Infektionen sind per se keine typische Akupunktur-Indikationen!
Bei bakteriellen Infektionen sind chemotherapeutische Maßnahmen (Antibiotika) die erste Wahl.

Es handelt sich bei Corona/Covid19 allerdings um einen Virus.

Und bei Virusinfektionen ist (auch für intensivmedizinische Betreuung) ist die Unterstützung des Patienten die wichtigste (und meist einzige) Möglichkeit der Therapie. Je nach Schweregrad der Erkrankung können verschiedene Möglichkeiten in Betracht kommen. Insbesondere die Beatmung der intensivpflichtigen Patienten ist wohl als wichtigste zu nennen.

Akupunktur und Ohrakupunktur sind so gesehen durchaus eine Möglichkeit zur unterstützenden Behandlung vor und während einer Corona-Infektion. (Erste, erstaunliche Erkenntnis) Denn es geht ja primär um die Unterstützung des Patienten-eigenen Regulations-Systems. Und wenn Akupunktur eine Sache kann, dann ist da ja genau das.

Möglichkeiten einer Behandlung mit Ohrakupunktur in der Corona-Krise

Es gibt prinzipiell zwei große Bereiche, in denen die Ohrkupunktur im Rahmen der Corona-Krise hilfreich sein kann:

  • Bei Angst vor Corona-Infektion und Corona-assoziierten sozialen Ängsten (gut wirksam und einfach)
  • Bei einer erfolgten Infektion mit Covid19 zur Unterstützung des Krankheits- und Heilungsprozesses (herausfordernd und nur für ausgebildete Fachleute)

Da ersteres aus meiner Sicht eine sehr gute Indikation für Ohrakupunktur darstellt (und letzteres eine sehr schwierige), beginne ich ich mit der allgemeinen Angst vor Corona:

Corona-Angst mit der NADA-Akupunktur gut begleiten

Das NADA-Konzept ist wahrscheinlich eine der sinnvollsten Therapieoptionen für Ängste überhaupt. Gerade im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise könnte dies eine sehr einfache und hilfreiche Behandlung für alle darstellen. Und zwar sowohl bei konkreten Ängsten, als auch für die Menschen allgemein.

Das NADA-Konzept stellt aus meiner Sicht die Handlungsfähigkeit wieder her – wenn Ausnahmesituationen (wie jetzt Corona) zu allgemeiner Lähmung und ‘Abrutschen in traumatische Reaktionsmuster’ führen. Dabei müssen es die Betroffenen gar nicht selber wahrnehmen, dass Sie in ihren Reaktionsmustern (und damit ihrer Wahrnehmung) eingeschränkt sind. Es geht nicht darum, die (berechtigten) Ängste ‘wegzumachen’, sondern es geht darum, trotz der Ängste ‘in sich ruhend’ zu sein und dabei eine umfassende Handlungsfähig zu erhalten. (über NADA gibt es recht viele gute Studien, die genau das validiert haben, s.u.)

Da die Ohrakupunktur und das NADA-Konzept sehr einfach umzusetzen sind (Anleitung hier), in Studien und Publikationen sehr gut validiert ist (Quellen hier) und die notwendigen Materialien leicht beschafft werden können – ist die Ohrakupunktur mit dem NADA-Konzept eine ideale Therapiemethode für die gesamte Gesellschaft in der Corona-Krise.

Auch Entscheidungsträger und Politiker könnten davon profitieren (da die Kügelchen am Ohr nur die Integrität verbessern und die Handlungsfähigkeit optimieren, ohne irgendwie in Persönlichkeit oder Einstellungen einzugreifen).

Ich selber wende bei meinen Patienten das NADA-Konzept in einer leicht veränderten Variante mit japanischen Goldkügelchen an. Das stelle ich Ihnen im Artikel ‘Das NADA-Protokoll in der Ohrakupunktur‘ vor.

Anmerkung: Da Sie z.Zt. nicht wissen, ob Sie selber Überträger*in von Covid 19 sein können, empfehle ich die Behandlung mit Mundschutz durchzuführen. Die Infektiosität beginnt wahrscheinlich 12-24 Stunden vor eigenen Symptomen. Eine Anleitung zum selber Nähen eines einfachen Nase-Mund-Schuztes ist hier zu finden.

Diese unterstützenden Möglichkeiten könnte Ohrakupunktur vielleicht bei Corona / Covid 19-Patienten mit akuter Symptomatik bieten:

Vorbemerkung 1: Die Behandlung mit Ohrakupunktur senkt nicht die Infektiosität der Patienten, daher steht der Infektionsschutz des Therapeuten und anderer Patienten an erster Stelle!

Vorbemerkung 2: Dieser Teil des Artikels kann schon nicht mehr aktuell sein, wenn Sie ihn lesen. Er bezieht sich auf unser Wissen zu Corona vom 24.3.2020.

Grundsätzlich: Bei einer symptomatischen Virusinfektion haben Sie die ‘üblichen’ Möglichkeiten der Akupunktur und Ohrakupunktur. Indkationen und Kontraindikaionen sind, wie immer, zu beachten.

Ohrakupunktur stärkt primär die Selbstheilungskräfte und damit das ‘Wellbeing’ des Patienten innerhalb des Erkrankungsprozesses. Zum Wellbeeing siehe bitte die Anmerkung am Ende des Artikels.

Von der Pneumonie (Lungenentzündung) weiß man aus histologisch pathologischen Untersuchungen, dass der zeitliche Ablauf der Entzündungsreaktion sich durch keine Therapie (auch nicht Antibiotika) verändern lässt – aber der Schweregrad und vor allem die Symptomatik sich deutlich verändern.

Mit anderen Worten: Am eigentlichen pathophysiologischen Krankheitsverlauf wird Akupunktur (und wie auch alle anderen Maßnahmen) nichts ändern. Jedoch kann sich die Symptomatik und das Wohlbefinden des Patienten während des Krankheitsverlaufs beeinflussen lassen.

Konkrete Möglichkeiten mit Balancierter Ohrakupunktur

Leichter Verlauf: Hier ist meist keine Therapie notwendig, es sei denn, es treten körperliche Schmerzen (z.B. durch viel Liegen oder Husten) auf. Die Ohrakupunktur nach dem Konzept der Balancierten Ohrakupunktur kann hier oftmals hilfreich sein.

Schwerer Verlauf: Hier ist intensivmedizinische Betreuung oder zumindest stationäre Überwachung notwendig und hier haben wir nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch die höchste Letalität (tödlicher Verlauf der Corona-Erkrankung).

Aus meiner Erfahrung mit Ohrakupunktur auf der Intensivstation (IPS) im Universitätsspital Zürich (USZ) können Patienten mit ARDS (adult respiratory distress syndrom = schwere Atemstörungen bei schwerkranken Patienten) von Ohrakupunktur auch unter Beatmung profitieren (z.b. Verbesserung der Sauerstoffsättigung).

Das setzt allerdings viel Erfahrung mit Ohrakupunktur und Intensivmedizin voraus. Da diese Kombination von Kompetenzen z.Zt. noch nicht sehr weit verbreitet ist, kommt der Einsatz von Akupunktur hier m.E. nicht in Frage.
Zudem ist der Nachweis der Wirksamkeit einer einzelnen Therapiemaßnahme im Gesamtsetting intensivpflichtiger Patienten nicht zu führen (d.h. die verbesserte Sauerstoffsättigung kann alle möglichen Ursachen haben und muss nicht zwangsweise auf die Ohrakupunktur zurückgeführt werden).

Sie haben Covid 19 Patienten in Ihrer Betreuung UND Akupunktur-Erfahrung

Wenn SIE allerdings eine sowieso mit diesen Patienten befasste(r) Medizinerin sind, UND dazu noch Akupunkturerfahrung haben, dann kann eine Akupunkturbehandlung durchaus eine ergänzende, komplementäre Therapiemaßnahme sein und eine Behandlungsstrategie abrunden. Dies obliegt dann Ihrer Erfahrung und Einschätzung.

Allgemeine Behandlungsmöglichkeiten von Patienten mit Akupunktur in Zeiten der Corona-Pandemie

Akupunktur und Ohrakupunktur sind Behandlungsmethoden, die einen direkten körperlichen Kontakt erfordern. Also sollten die gegenwärtigen Regeln des Infektionsschutzes beachtet werden. Prinzipiell können dabei Akupunktur- und Ohrakupunkturbehandlungen wie immer durchgeführt werden. Die Indikationen sollten allerdings genauer betrachtet werden – ist eine Behandlung jetzt zwingend notwendig? Oder kann sie verschoben werden?

Sollte die Möglichkeit einer eigenen Infektion bestehen, sind natürlich alle Kontakte, und damit auch therapeutische Tätigkeit am Patienten direkt einzustellen und die häusliche Quarantäne einzuhalten.

Wenn unter Abwägung dieser Dinge eine Akupunkturbehandlung indiziert ist, empfehle ich die Behandlung mit (selbstgenähtem) Mundschutz, um nicht selber eine mögliche Corona-Infektion zu übertragen (genauer gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer unerkannten Übertragung zu reduzieren). Außerdem erhöht dies das Sicherheitsgefühl des Patienten – und ein entspannter Patient kann die Wirkung einer Ohrakupunkturbehandlung besser aufnehmen und integrieren.
Da keine Masken mehr zu bekommen sind, habe ich zunächst das Essener Modell des Nasen-Mund-Schutzes selber genäht. Dies ist allerdings relativ aufwändig und ich empfinde die Masken als nicht so bequem. Daher habe ich für mich das Schnittmuster abgewandelt – dies finden Sie hier.

Anmerkungen:

Wellbeeing (engl.): Das englische Wellbeing umfasst sowohl ein ‘sich im Körper gut zu befinden’ und als auch ‘dass es mir gut geht’ im umfassenden Sinne. Wohlbefinden ist dabei nur eine annähernde und nicht umfassende Übersetzung.

Dies englische Wort Wellbeeing beschreibt aus meiner Sicht einen sehr wichtigen Aspekt der Ohrakupunktur. Und zwar deutlich besser als irgendein deutsches Wort, das ich gefunden habe.

Das Virusbild ist von Syaibatulhamdi aus Indonesien und über Pixabay erworben

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