Corona-Behandlung mit Akupunktur am Ohr

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Beachten Sie bitte unbedingt den wichtigen Hinweis. Der Artikel ist Stand 24.3.2020, aktualisiert 30.8.2020. Es ist meine Einschätzung, welche Möglichkeiten wir mit dieser Therapiemethode haben, und er richtet sich in an praktizierende Akupunkteure.

Ich berichte hier über die Möglichkeiten mit Ohrakupunktur, sowohl bei COVID-19 Erkrankung, als auch bei begleitenden Symptomen/Ängsten. Einen sehr guten Artikel über weiter Möglichkeiten bei Corona mit komplementärer und integrativer Medizin (CIM complementary & integrative medicin) finden Sie hier. Ebenso einen spezifischen Artikel zur Behandlung mit traditioneller chinesischer Medizin (TCM).

Kann Ohrakupunktur bei einer Infektion mit Corona/COVID-19 unterstützen?

Auf den ersten Blick denkt man, was für eine verwegene und vermessene Frage. Doch ich stellte mir die Frage ganz ernsthaft – und bin beim Schreiben und Recherchieren zu auch für mich auf den ersten Blick unerwarteten Erkenntnissen gekommen (24.3.2020).

Eines vorweg: Infektionen sind per se keine typische Akupunktur-Indikationen!
Bei bakteriellen Infektionen sind chemotherapeutische Maßnahmen (Antibiotika) die erste Wahl.

Es handelt sich bei Corona/Covid19 allerdings um einen Virus. Bei Virusinfektionen ist (auch in der intensivmedizinischen Betreuung) die Unterstützung des Patienten die wichtigste (und oftmals einzige) Möglichkeit der Therapie. Bei schweren Verläufen wird das gefürchtete Mulitorganversagen durch einen sog. Zytokinsturm (eine überschiessende und unkontrollierbare Immunreaktion des eigenen Körpers) ausgelöst.

Wir gehen aktuell davon aus, das es sich um eine weitflächige Entzündungsreaktion des Endothels handelt. Dies erklärt den starken Bezug der Lunge (ARDS) und auch die Bezüge zu Gefäßerkrankungen. Da die Reaktion des Körpers auf die Virusinfektion entscheidend für die Schwere der Erkrankung und die Komplikationen ist, stellt die Modulation der körpereigenen Immunantwort eine sehr hilfreiche bis lebensrettende Maßnahme dar. Aus dieser Sicht ist es absolut unverständlich, dass die gegenwärtige Behandlungs- und Prophylaxestrategie derartige Maßnahmen in keinster Weise mit einbezieht.

Dr. Nadja Volf, MD, PhD, eine sehr sehr geschätzte und erfahrene Akupunkteurin aus Paris, hat mehrere an Covid19 erkrankte Patient*innen untersucht und am Ohr relevante Zonen zur Behandlung identifiziert. Dazu weiter unten.

Akupunktur und Ohrakupunktur ist so gesehen durchaus eine Möglichkeit zur unterstützenden Behandlung vor und während einer Corona-Infektion. (Erste, erstaunliche Erkenntnis) Es geht primär um die Unterstützung und Modulation des Patienten-eigenen Regulations-Systems. Und wenn Akupunktur eine Sache kann, dann ist da ja genau das!

Möglichkeiten einer Behandlung mit Ohrakupunktur in der Corona-Krise

Es gibt prinzipiell zwei große Bereiche, in denen die Ohrkupunktur im Rahmen der Corona-Krise hilfreich sein kann:

  • Bei Angst vor Corona-Infektion und bei Stress und Aufregung im Kontext mit offiziellen Maßnahmen (gut wirksam und einfach). Ohrakupunktur stellt die Handlungsfähigkeit und eine Distanz wieder her.
  • Bei einer erfolgten Infektion mit Covid19 zur Unterstützung des Erkrankungsprozess (nur für ausgebildete Fachleute)

Da ersteres aus meiner Sicht eine sehr gute allgemeine Indikation für Ohrakupunktur darstellt, beginne ich ich mit der allgemeinen Angst vor Corona:

Corona-Angst mit der NADA-Akupunktur gut begleiten

Das NADA-Konzept ist wahrscheinlich eine der sinnvollsten Therapieoptionen für Ängste überhaupt. Gerade im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise könnte dies eine sehr einfache und hilfreiche Behandlung für alle darstellen. Und zwar sowohl bei konkreten Ängsten, als auch für die Menschen allgemein.

Die NADA-Akupunktur stellt aus meiner Sicht die Handlungsfähigkeit wieder her – wenn Ausnahmesituationen (wie jetzt Corona) zu allgemeiner Lähmung und ‘Abrutschen in traumatische Reaktionsmuster’ führen. Dabei müssen es die Betroffenen gar nicht selber wahrnehmen, dass Sie in ihren Reaktionsmustern (und damit ihrer Wahrnehmung) eingeschränkt sind. Es geht nicht darum, die (berechtigten) Ängste ‘wegzumachen’, sondern es geht darum, trotz der Ängste ‘in sich ruhend’ zu sein und dabei eine umfassende Handlungsfähig zu erhalten. (über NADA gibt es recht viele gute Studien, die genau das validiert haben, s.u.)

Da die Ohrakupunktur und das NADA-Protokoll sehr einfach umzusetzen sind (Anleitung hier), in Studien und Publikationen sehr gut validiert ist (Quellen hier) und die notwendigen Materialien leicht beschafft werden können – ist die Ohrakupunktur mit dem NADA-Konzept eine ideale Therapiemethode für die gesamte Gesellschaft in der Corona-Krise.

Egal ob Angst vor Infektion oder Angst vor Einschränkung der demokratischen Rechte, das NADA-Protokoll bringt eine gewisse emotionale Distanz und Ent-Spannung. So dass wieder ruhiger empfunden werden kann.

Ich möchte eine kurze Rückmeldung zur NADA-Akupunktur geben: Diesen Frühling / Sommer (2020) hatte ich sehr viele Menschen jeden Alters mit vielen Ängsten. Dank dieses Systems haben die meisten davon diese Zeit und ihre Ängste sehr gut überstanden. Ich bin so begeistert. Vielen vielen Dank für diese Möglichkeit. Von Herzen liebe Grüße, Sabine O.

Mail vom 11.12.2020 von einer Physiotherapeutin

Unterstützende Möglichkeit der Ohrakupunktur-Behandlung bei erkrankten Patienten:

Vorbemerkung: Die Behandlung mit Ohrakupunktur senkt nicht die Infektiosität der Patienten, daher steht der Infektionsschutz des Therapeuten und anderer Patienten an erster Stelle!

Vorbemerkung 2: Dieser Teil des Artikels kann schon nicht mehr aktuell sein, wenn Sie ihn lesen. Er bezieht sich auf unser Wissen zu Corona vom 30.8.2020.

Grundsätzlich: Bei einer symptomatischen Virusinfektion haben Sie die ‘üblichen’ Möglichkeiten der Akupunktur und Ohrakupunktur. Indkationen und Kontraindikaionen sind, wie immer, zu beachten.

Ohrakupunktur stärkt primär die Selbstheilungskräfte und damit das ‘Wellbeing’ des Patienten innerhalb des Erkrankungsprozesses. Zum Wellbeeing siehe bitte die Anmerkung am Ende des Artikels.

Dazu kommen aber neuere Erkenntnisse über die Manifestation einer COVID-19 Infektion am Ohr im Repräsentations-System (Mikrosystem-Somatotopie) Ohrakupunktur (August 2020).

Dr. Nadja Volf, MD, PhD, eine sehr sehr geschätzte und erfahrene Akupunkteurin aus Paris, hat mehrere an Covid19 erkrankte Patient*innen untersucht und am Ohr relevante Zonen zur Behandlung identifiziert (Artikel hier).

Die relevante Zone befindet sich im Übergangsbereich Tragus (obere Hälfte) und aufsteigende Helix – und manifestiert sich als Schwellung in diesen Ohrbereichen.
(Bild Nadja Volf 2020)

Diese Region gehört zur Steuerung des Immunsystems und der Regulation von Reaktionen auf externe Reize (u.a. die beschriebenen Zonen Frust, Wetterfühligkeit, Interferon).

Eine Schwellung deutet meist auf eine pathologische Überreaktion im Körper hin.


Dies ermöglicht konkretere Behandlungen auch mit Ohrakupunktur zur Unterstützung des Erkrankungsverlaufs. Je früher die modulierende Behandlung einsetzt, desto bessere Wirkung kann erzielt werden (soweit die bisherige Rückmeldung von Ärzten an mich, die dies anwandten). Bei fulminanten Verlauf (Mulitorganversagen) konnte die Ohrakupunktur – ausser einer kurzfristigen Verbesserung der Sauerstoffsättigung – keine Veränderung des Krankheitsverlaufs erzielen. Eine offene und offizielle Forschung hierzu wäre sehr wünschenswert.

Das setzt allerdings Erfahrung mit Ohrakupunktur und Intensivmedizin voraus. Da diese Kombination von Kompetenzen z.Zt. noch nicht sehr weit verbreitet ist, kommt der Einsatz von Akupunktur hier nur sehr eingeschränkt in Frage.
Zudem ist der Nachweis der Wirksamkeit einer einzelnen Therapiemaßnahme im Gesamtsetting intensivpflichtiger Patienten fast nicht zu führen (d.h. die verbesserte Sauerstoffsättigung kann alle möglichen Ursachen haben und muss nicht zwangsweise auf die Ohrakupunktur zurückgeführt werden).

Ohrakupunkteure, die mit Balancierter Ohrakupunktur nach Seeber arbeiten, erhalten hier eine kurze PDF zur Integration der Volf-Erkenntnisse in das Behandlungskonzept der Balancierten Ohrakupunktur.

Haben Sie COVID-19 Patienten in Ihrer Betreuung UND Akupunktur-Erfahrung?

Wenn SIE allerdings eine sowieso mit diesen Patienten befasste(r) Medizinerin sind, UND dazu noch Akupunkturerfahrung haben, dann kann eine Akupunkturbehandlung durchaus eine ergänzende, komplementäre Therapiemaßnahme sein und eine Behandlungsstrategie abrunden. Dies obliegt dann Ihrer Erfahrung und Einschätzung. Für Hilfestellung stehe ich gerne zur Verfügung.

[März 2020] Wenn unter Abwägung dieser Dinge eine Akupunkturbehandlung indiziert ist, empfehle ich die Behandlung mit Mundschutz, um nicht selber eine mögliche Corona-Infektion zu übertragen (genauer gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer unerkannten Übertragung zu reduzieren). Außerdem erhöht dies das Sicherheitsgefühl des Patienten – und ein entspannter Patient kann die Wirkung einer Ohrakupunkturbehandlung besser aufnehmen und integrieren.

Anmerkungen:

Wellbeeing (engl.): Das englische Wellbeing umfasst sowohl ein ‘sich im Körper gut zu befinden’ und als auch ‘dass es mir gut geht’ im umfassenden Sinne. Wohlbefinden ist dabei nur eine annähernde und nicht umfassende Übersetzung.

Dies englische Wort Wellbeeing beschreibt aus meiner Sicht einen sehr wichtigen Aspekt der Ohrakupunktur. Und zwar deutlich besser als irgendein deutsches Wort, das ich gefunden habe.

Das Virusbild ist von Syaibatulhamdi aus Indonesien und über Pixabay erworben

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